Löse und Verbinde

Solve et Coagula (lat: Löse und verbinde) ist eine alchemistische Schlüsselformel und beschreibt folgenden Prozess: Das Analysieren, Trennen oder Auflösen einer Eigenschaft und das anschließende Zusammenfügen zu einem besseren Ergebnis. Das Verbindende ist die Grundidee von Andrea Facius Rauminstallation aus 100 herrenlosen und zurück in die Anonymität geratenen Wanderstöcken, die alle ihre stützende Funktion über Stock und Stein hinter sich haben und sich nun beim „Fingerhakeln“ treffen. Gegengesetzte, ringende Kräfte sind hier das spürbare Element. Sie bilden die Tonlage für das Liniengefüge und sind das Grundgerüst für das Auf und Ab der Raumstruktur.

Andrea kam mit vierzehn Jahren nach Deutschland – in einem Alter, „in dem man zu jung ist, um nein zu sagen, und zu alt, um ja zu sagen“. Die deutsche Sprache erlernte sie sehr schnell, und auf dieser Sprache gründet sich auch ihre künstlerische Arbeit, in der sie „Empfänger und Sender von Botschaften“ ist. 

Ihr Werk wird durch drei Aspekte gekennzeichnet: Sie beschäftigt sich mit Installationen, reagiert mit ihrer vielschichtigen, Sprache und Bild verknüpfenden Arbeit auf die jeweiligen Ausstellungsorte und besticht in ihren kurzen Videoarbeiten vor allem durch starke emotionale Verdichtung und formale Stringenz.

In „Dacia/Gedankenfahrt“, der ersten Videoarbeit aus dem Teilprojekt MIND TRIP, hört man Andrea Faciu selbstverfasste Texte über Bruchstücke der menschlichen Realität sprechen - über Geld, Müll, Gottheiten, Liebe, Ideale -, während man die Landschaft des südlichen Rumänien, Menschen, Häuser, Tiere vorbeiziehen sieht... Es herrscht das Gefühl, man sei bei starkem Seegang auf einem Schiff – auf einer kurzen, aber reichhaltigen Reise, begleitet von der Beschäftigung mit der Poesie der Wirklichkeit und umgekehrt.


Andrea Faciu 1977 in Bukarest geboren, hat bei Olaf Metzel in München studiert und wurde für ihre Installationen und Videofilme bereits mit zahlreichen Preisen bedacht. Sie war Teilnehmerin der Manifesta 5 in San Sebastian (dort haben wir zum ersten Mal ihre Arbeiten gesehen), Villa Romana Preisträgerin (2007, wo wir sie dann persönlich kennen lernten) und hat 2009 den Rumänischen Pavillon bei der Biennale in Venedig bespielt; die Pinakothek der Moderne widmete ihr einen eigenen Raum.

Seit vielen Jahren fühlen wir uns mit Andrea als Künstlerin und Freundin und mit ihrer Familie verbunden – fast dem Motto ihrer Installation gleichend, mal mit engerem, mal mit lockererem Kontakt.